Nach 47 Jahren erstmals wieder in der Luft, Baby III heute D-6058 (früher D-5290)

ein Bericht von Franz-Barthold Gockel//

Seit meinem ersten Kontakt mit dem Baby III im Frühjahr 2010 in Stuttgart sind nun fast 9 Jahre intensiver Holz- und Leimarbeit vergangen, um aus einem doch recht traurigen Zustand wieder einen flug- und zulassungsfähigen Zustand zu erreichen. Die ersten Bilder vor meiner Zeit in einer Scheune in Kirchheim Schwaben machen einen eher fragwürdigen Eindruck, bei der Besichtigung im Fliegerheim Stuttgart sah das ganze schon etwas realistischer aus, als Hans-Joachim und ich den Vogel erstmals besichtigt hatten.

Nach kurzer Rücksprache mit Elmar Thom aus Warburg, war die Entscheidung gefallen, Abholen und wieder in die Luft bringen. Im Doppelraabanhänger unter vielen Kissen und Decken verpackt hat das Baby dann seine Reise nach Paderborn angetreten. Hier angekommen zunächst sehr skeptische Fragen und Blicke meines Vaters, ob das denn wohl sinnvoll sei in dieses Gerippe seine Zeit zu investieren. Aber egal, allen Unkenrufen zum Trotz ging es los mit Farbe runter, Bespannungsreste beseitigen, alle Beschläge ausbauen und erst einmal die vielen Einschusslöcher auf die umgebenden Spanten und Gurte begradigen. Und schon sah das viel vertrauenerweckender aus. Dann ran an die Beschläge alles in die Eimer und zu D&S zum blank machen und schnell wieder Grundierung und Farbe auftragen. Hier musste ich dann erstmals Farbe bekennen, für alle Beschläge weißaluminium, alles aus Holz bleibt Holz in Kirsche dunkel gebeizt und die Bespannung transparent.

Mit den Beschlägen war auch so richtig der erste vorher nachher Effekt sichtbar geworden, was es dann auch auf die noch umfangreich anstehenden Holzarbeiten zu übertragen galt. Löcher in den Beplankungen, Rippen und Endleiste, der Rumpf mit diversen Fehlstellen haben Jahr für Jahr wieder ansehnliche Form angenommen.

Ende 2016 konnte dann unter akribischer Prüfung von Elmar Thom die Rohbauabnahme erfolgreich absolviert werden, so dass dem Oberflächenfinish und dem Bespannen nichts mehr im Weg stand.

Nun ja, bis lang erstrecke sich meine Bespannerfahrung auf Modellflugzeuge mit Papier und Folie und da war vor ganz vielen Jahren mal das Seitenruder der Vereins-K8, bei dem ich unter Anleitung von Schorch erstmals mit Klebelack, Baumwolle und Aceton in Berührung gekommen war. Also klein anfangen und mit dem Seitenruder des Babys die ersten Bespannübungen ausführen. Als das vielversprechend ausgesehen hat, habe ich mich zusammen mit Hans-Joachim auch an die Flügel herangetraut. Nach dem Spannlackieren begann der erste Schritt in Richtung Zulassungsformalitäten, nämlich die Kennzeichenreservierung und deren Anbringung, mit Vorbereitung der Kennzeichen im weihnachtlichen Wohnzimmer.

Krönender handwerklicher Höhepunkt war der erste Ausflug des Babys nach Tudorf zum Lackieren, hier hatte ich fachkundige Unterstützung unserer Lackierer, so dass in einer langen Spätschicht alles erledigt war und die seidenglänzenden Holzteile inmitten von Maschinen und Robotern Zeit hatten über das Wochenende auszuhärten.

Falsch war allerdings die Annahme, dass mit dem Lackieren vor einem Jahr die Sache so gut wie fertig sei, weit gefehlt. Jetzt stand eine Menge Kleinarbeit wie Instrumentierung, Polster, Verkleidungen, Windschutzscheibe, Wiegen, Typenschild, Prüfprotokolle und vieles mehr auf dem Arbeitsplan.

Im August 2018 war handwerklich nun wirklich alles fertig und das Baby konnte aus der Werkstatt (LTB Kernstadt) ausfliegen oder besser gesagt ausfahren zum Haxterberg mit erstmaligem Aufrüsten unter freiem Himmel und bei Sonnenschein seit 47 Jahren, und das in der Hoffnung bald fliegen zu können. Aber wieder weit gefehlt, denn Prüfer Elmar war wegen Krankheit nicht verfügbar und nach langen hin und her hat Uwe Wöltje die Formalität freundlicherweise und wie sich später noch herausstellte notwendigerweise übernommen. Im Herbst konnte ich dann endlich den Antrag auf Zulassung beim LBA stellen, was auch wieder mit vielen Rückfragen und Nachlieferungen jetzt im Februar zu dem lang ersehnten Einschreiben aus Braunschweig mit dem Eintragungsschein geführt hat. Also Flieger jetzt endlich flugbereit, jetzt noch die Frage nach der Schleppmaschine, eigentlich gab es nur eine geeignete und betriebsbereite Maschine, nämlich langsam und gelb mit Ingo als Pilot. An Sonntag 24.02.2019 war es soweit, der letzte Akt im Babyprojekt konnte starten.

Bei super sonnigem und ruhigem Wetter alles auf die Wiese, ein Beruhigungsflug vorab noch mit Lorenz K7 und dann hinein ins Baby nach vorherigem gewissenhaften Check, dicke Jacke, Schal, Kaputze und Lederkappe darüber, Funksprechprobe, Einklinken, Flügel hoch, Seil stramm und los ging es.

Rollen abheben und in einem sehr angenehm langsamen Steigflug schnurgerade hinter der Savage her bei Tempo 70km/h mit 2m/s auf 500m, sehr super toll, endlich, es fliegt, alles vorsichtig ausprobiert und mit vorschriftsmäßiger Platzrunde zur Landung, sanftes Aufsetzen und glücklich und zufrieden wieder am Boden, viele Händedrücke und liebevolle Umarmungen. Lieben Dank an alle Helfer und Freunde an diesem ereignisreichen Tag, aber auch ein ganz dickes Dankeschön an all die vielen helfenden Hände und die Unterstützung im Laufe der vergangenen Jahre.

Ein wunderschöner Abend geht zu Ende